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	<title>Kult.Radio - Wir erzählen Märchen! &#187; Hochparterre Mitte</title>
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		<title>Kult.Radio - Wir erzählen Märchen!</title>
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		<title>Hochparterre Mitte &#8211; der Mitte-Blog</title>
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		<pubDate>Fri, 19 Feb 2010 20:55:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kult Ron</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Hochparterre Mitte]]></category>
		<category><![CDATA[Weblogs]]></category>

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		<description><![CDATA[In Indien live gebloggt von Karin Kaiser Ich zucke zurück. Wie konnte ich es nur vergessen! Aus dem Hahn mit dem blauen Punkt strömt kochend heißes Wasser. Das Türschloss schließt nach links, die Hähne, mal so oder so. Wo PEPPER drauf steht ist Salz drin, im Salzstreuer ist gar nix. &#8220;One minute&#8221; kann drei Stunden [...]]]></description>
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<p>In Indien<br />
live gebloggt von Karin Kaiser</p>
<p>Ich zucke zurück.<br />
Wie konnte ich es nur vergessen! Aus dem Hahn mit dem blauen Punkt strömt kochend heißes Wasser. Das Türschloss schließt nach links, die Hähne, mal so oder so.<br />
Wo PEPPER drauf steht ist Salz drin, im Salzstreuer ist gar nix.<br />
&#8220;One minute&#8221; kann drei Stunden dauern und &#8220;No problem!&#8221; ist garantiert immer eins. <span id="more-5830"></span><br />
Bestelle ich Tee, kommt schwarzer Kaffee, bestehe ich weiter auf Tee, kriege ich Milch.<br />
Mehrmals täglich findet ein Power Cut statt, im Dustern spielt es dann keine Rolle mehr, dass die meisten Buchstaben auf meiner Tastatur abgerubbelt sind.<br />
Im Verkehrsgewühl werden aus zwei Fahrspuren fix dreieinhalb oder vier gemacht, denn: &#8220;Ich hupe, also bin ich.&#8221;<br />
Und täglich trainiere ich Hindernislauf zwischen Müllhaufen und der an vielen Stellen offenen Drainage entlang der Hauptstraße.</p>
<p>Wie kriege all dies bloß in meinen deutschen Schädel?<br />
Tatsächlich &#8211; gar nicht.<br />
Keine Chance. Zero!</p>
<p>Was mir bleibt ist: Schultern zucken &#8211; that&#8217;s India &#8211; sie locker zu schütteln, mit dem Kopf zu wackeln, die Arme baumeln zu lassen und die Füße im Kuhgang voreinander zu stellen.</p>
<p>Damit finde ich zurück, bin wieder da, eingetaucht in den verrückten Fluss des indischen Alltags. Wenn sich dann ein Schmunzeln in meine Mundwinkel stiehlt, erhalte ich als Antwort augenblicklich ein Lächeln &#8211; strahlend im dunklem Gesicht.</p>
<p>Jetzt fühle ich wieder die Geschenke, die ich täglich erhalte: Sternenwirbel auf samtigem Schwarz; der Mond, der sich als zierliche Sichel auf dem Rundrücken wiegt; der Abendhimmel, azurblau, durchwoben von Rosenstreifen; das Rasseln der Palmblätter, gestreichelt von einer warmen Brise; der Duft, der grünerdig bei Sonnenaufgang vom Land zum Meer treibt; meine Füße, fest verankert, Sand körnig zwischen den Zehen und unter der weißen Sonne, mein Kopf federleicht. Der Klang der Trommeln, der beim Tempelfest der schwarzen Göttin tief in meine Knochen dringt, mich einschließt inmitten der  wogenden Menge.</p>
<p>Geschenke mit allen Sinnen aufgenommen &#8211; unvergesslich.</p>
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		<title>Hochparterre Mitte &#8211; der Mitte-Blog</title>
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		<pubDate>Mon, 08 Feb 2010 13:56:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kult Ron</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Hochparterre Mitte]]></category>
		<category><![CDATA[Weblogs]]></category>
		<category><![CDATA[Mitte]]></category>

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		<description><![CDATA[Was will ich? - live aus Indien gebloggt von Karin Kaiser Mein Kissen, mein T-Shirt sind klatschnass. Hitze innen und außen, immer noch fiebrig. Wohne in Watte, in exotischem Foto, abgetrennt von der Welt. Donnert es draußen? Das Meer natürlich, wirft sich auf den Strand. Durch die Ritzen der Jalousie flutet goldenes Licht, Kreischen, Trillern, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.kultradio.eu/wp-content/uploads/2010/02/Scher_India_web.jpg" alt="Indien" /></p>
<p>Was will ich?<br />
- live aus Indien gebloggt von Karin Kaiser</p>
<p>Mein Kissen, mein T-Shirt sind klatschnass. Hitze innen und außen, immer noch fiebrig. Wohne in Watte, in exotischem Foto, abgetrennt von der Welt.<br />
Donnert es draußen?<br />
<span id="more-5741"></span><br />
Das Meer natürlich, wirft sich auf den Strand. Durch die Ritzen der Jalousie flutet goldenes Licht, Kreischen, Trillern, Knarren, Pfeifen und das Wusch-Wusch des Besens der Sweeper-Lady.<br />
Keine Ahnung wie spät es ist, keine indische SIM-Card, keine Uhrzeit, keine Verbindung…<br />
Mir schwindelt, fühle mich verloren. Dreh Geschichten im Kopf hin und her, brauche was zum Festhalten. Mein Blog. Was soll ich schreiben? Keine Ahnung. SOLLTE aber, MÜSSTE&#8230;<br />
Bin gelähmt.<br />
Wie an einen Rettungsring klammere ich mich an den Satz: Was WILL ich denn?<br />
Die Antwort ist direkt unter meiner Haut: Ich will ruhen, faul sein, nix tun, schlafen, essen, das Himmelsblau einatmen.<br />
Also Urlauber sein?<br />
Nein! Alles muss besonders sein, dramatisch, aufregend, begeisternd &#8211; irgendwie.<br />
Die alte Tante aus der Linienstraße ist doch drüben geblieben, weit weg von mir.<br />
Hinter meiner schmerzenden Stirn taucht ein Gedanke auf: Muss mein Leben hier etwa mein Leben dort aufwerten?<br />
Oh Gott, wie anstrengend!<br />
Zurück zum Anfang: Was will ich? Ich will India nice und slow. Hab zuviel gehabt von Berlin harsch und hastig.<br />
Ich weiß nicht wie spät es ist, ich weiß nicht, was ich morgen, heute mache und was meine Erkältung macht. Was nun?<br />
Erster Schritt: Grübelstopp wegen SIM-Card – die Welt im Westen dreht sich weiter, auch wenn die nix von mir hören.<br />
Und jetzt: Eimerdusche, Masala-Dosa Frühstück mit heißem, schwarzem Local Kaapii und &#8230;<br />
Hängematte!</p>
<p><img src="http://www.kultur-im-kiez.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/02/Haengematte.jpg" alt="Hängematte in Indien" /></p>
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		<title>Hochparterre Mitte &#8211; der Mitte-Blog</title>
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		<pubDate>Tue, 02 Feb 2010 17:33:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kult Ron</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Aktuelle Termine]]></category>
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		<category><![CDATA[Weblogs]]></category>

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		<description><![CDATA[Up, up and away live aus Indien berichtet Karin Kaiser &#8220;Bruxelles Airlines dankt, dass Sie mit uns geflogen sind. Wir würden uns freuen, Sie bald wieder an Bord tiefkühlen zu dürfen&#8230;&#8221; Zähneklappernd stelle ich fest: Der Weg nach Indien führt durch die Arktis. Jet Airlines übernimmt nahtlos unsere Schockfrostung. Trotz meiner Bitten arbeitet der AC [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.kultradio.eu/wp-content/uploads/2010/02/Festivaldorf2_web.jpg" alt="Festivaldorf" /></p>
<p>Up, up and away<br />
live aus Indien berichtet Karin Kaiser</p>
<p>&#8220;Bruxelles Airlines dankt, dass Sie mit uns geflogen sind. Wir würden uns freuen, Sie bald wieder an Bord tiefkühlen zu dürfen&#8230;&#8221;<br />
Zähneklappernd stelle ich fest: Der Weg nach Indien führt durch die Arktis. Jet Airlines übernimmt nahtlos unsere Schockfrostung. Trotz meiner Bitten arbeitet der AC entsprechend dem subtropischen Ziel weiter auf Hochtouren. <span id="more-5653"></span><br />
10 000 Fuß hoch über Bombay reagiert mein körpereigener Thermostat, regelt mein System hoch, so dass ich bei der Ankunft die 40 Grad Unterschied zu Berlin spielend überwinde. Fieberglühend lasse ich mich zum Willkommen in Madras von der dieselabgaserfüllten, jasminduftenden Nacht umfangen.<br />
Warme Regentropfen oder Freudentränen rinnen über meine Wangen.<br />
Im Ambassadortaxi sanft gewiegt, unterwegs nach Mamallapuram presse ich die Hände fest gegen den plastikbezogenen Sitz. Bin ich wirklich angekommen? Wirklich da?<br />
Die Stirn ans halb geöffnete Fenster gelehnt lausche ich dem Fahrer und dem Freund, den rollenden, singenden Lauten.<br />
Draußen ziehen mit blinkenden Lichtern geschmückte Palmen vorbei, Häuserzeilen in unklarem Zustand &#8211; Abriss oder Aufbau? &#8211; ducken sich unter Funzeln. Zwischen rollbahnartigen Positionslichtern lagern Gruppen von Kühen am Straßenrand. Trucks, heulende Dämonen, donnern frontal auf uns zu&#8230;<br />
Glücklich schließe ich die Augen: Ja, ich bin wirklich wieder in Indien.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Hochparterre Mitte &#8211; der Mitte-Blog</title>
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		<pubDate>Sat, 23 Jan 2010 08:21:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kult Ron</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Hochparterre Mitte]]></category>
		<category><![CDATA[Weblogs]]></category>

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		<description><![CDATA[Auftakt von Karin Kaiser &#8220;Aber Oma! Indien ist doch kein Blumenbeet!&#8221;, ruft der Kleine. &#8220;Nein?&#8221;, fragt sie, ohne den Kopf zu heben, ihre Wange an die rote Erde geschmiegt, Arme, Finger zur Südspitze ausgestreckt, dort wo die drei Meere das Land berühren. &#8220;Was denn dann?&#8221;, murmelt sie schläfrig in die aufsteigende Wärme. &#8220;Ein Stern vielleicht? [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.kultradio.eu/wp-content/uploads/2010/01/Indien_Rikschas_web.jpg" alt="Rikschas in Indien" /><br />
Auftakt<br />
von Karin Kaiser</p>
<p>&#8220;Aber Oma! Indien ist doch kein Blumenbeet!&#8221;, ruft der Kleine.<br />
&#8220;Nein?&#8221;, fragt sie, ohne den Kopf zu heben, ihre Wange an die rote Erde geschmiegt, Arme, Finger zur Südspitze ausgestreckt, dort wo die drei Meere das Land berühren.<br />
&#8220;Was denn dann?&#8221;, murmelt sie schläfrig in die aufsteigende Wärme.<br />
&#8220;Ein Stern vielleicht? Oder eine Wolke? Eine Kugel?&#8221;, rätselt er.<br />
&#8220;Nun&#8221;, sagt sie und gräbt die Zehen am Rand des Himalaya tiefer in den Grund. &#8220;Ich will dir bald erzählen, was ich gefunden habe.&#8221;<br />
&#8220;Ja!&#8221;, wirbelt er herum. &#8220;Hier, nimm mein Schwert &#8211; falls du Feuerdrachen triffst.&#8221;</p>
<p>Fortsetzung folgt in diesem Blog&#8230;</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Hochparterre Mitte &#8211; Der Mitte-Blog</title>
		<link>http://www.kultradio.eu/2009/11/26/hochparterre-mitte-der-mitte-blog-29/?utm_source=rss&#038;utm_medium=rss&#038;utm_campaign=hochparterre-mitte-der-mitte-blog-29</link>
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		<pubDate>Thu, 26 Nov 2009 15:47:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kult Ron</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die roten Schuhe von Karin Kaiser Beim Einsteigen in die spärlich besetzte U-Bahn war er ihr aufgefallen, elegant in Jeans und Jackett gekleidet, dunkel. Alma bemerkte schmale Lippen und eine harte Stirn. Als ihre Blicke sich trafen, senkte sie die Augen. Sie drehte sich weg, setzte sich ans Ende der leeren, langen Bank. An die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die roten Schuhe<br />
von Karin Kaiser</p>
<p>Beim Einsteigen in die spärlich besetzte U-Bahn war er ihr aufgefallen, elegant in Jeans und Jackett gekleidet, dunkel. Alma bemerkte schmale Lippen und eine harte Stirn. Als ihre Blicke sich trafen, senkte sie die Augen. Sie drehte sich weg, setzte sich ans Ende der leeren, langen Bank. An die Zwischenwand gelehnt, schlug sie ihr Buch auf.</p>
<p>Plötzlich stand er neben ihr. War einfach da in diesen knallroten Sneakern aus glänzendem Leder. Die Spitzen zeigten direkt auf sie. Eine Hand lässig am Haltegriff musterte er die Streckenanzeige über ihrem Kopf. <span id="more-5149"></span></p>
<p>Sie fragte sich, was das sollte, überall war mehr Platz! Er war ihr viel zu nah! Ärger fuhr ihr in den Nacken. Sie straffte die Schultern. Für sie war er Luft!</p>
<p>Alma hielt ihr Buch dicht vors Gesicht. Um keinen Preis wollte sie ihn noch einmal anschauen. Diese Messerschärfe in seinem Blick&#8230;</p>
<p>Zeile um Zeile las sie, ohne den Sinn zu verstehen. Ihre Augen kehrten immer wieder zurück zu den Schuhen, zwanghaft von der Farbe angezogen, glühende Brandherde, die sie unter Kontrolle halten musste: Mit jeder Neigung der Bahn rückten sie näher&#8230;</p>
<p>Da! Sein Bein hatte ihr Knie berührt!</p>
<p>Sie packte ihre Tasche und hastete mit gesenktem Kopf in den nächsten Waggon. Sie schwitzte, riss sich den Schal vom Hals, ihr Buch fiel zu Boden, Notizzettel flatterten unter den Sitz. Sie angelte nach den Zetteln &#8230;</p>
<p>Und da waren sie wieder! Langsam näherten sie sich, Schritt für Schritt, signalrot, aufdringlich &#8211; stoppten genau ihr gegenüber! Wendeten sich ab.</p>
<p>Wieder studierte er den Streckenplan, nun mit dem Rücken zu ihr.</p>
<p>Das ist doch lächerlich, dachte Alma, was für eine dümmliche Masche! Sie ordnete ihre Zettel, bemerkte, dass ihre Finger zitterten. Er würde es nicht noch einmal wagen&#8230;</p>
<p>Wie das Kaninchen die Schlange starrte sie die Schuhe an, die vorwärts, seitwärts tänzelten und dann -  rückwärts.</p>
<p>Ohne zu zögern riss sie sich hoch, floh, Buch und Blätter an ihre Brust gedrückt abermals, den Schal hinter sich her schleifend in den übernächsten Waggon, ließ sich zwischen zwei Frauen auf den Sitz fallen.</p>
<p>Gerettet!</p>
<p>Nach einer Weile kam sie sich albern vor. Was sollte ihr geschehen? Mach bloß kein Theater, sagte sie sich. Nichts, gar nichts kann er dir hier in der Öffentlichkeit tun. Oder doch? Kälte kroch ihr über den Rücken.</p>
<p>Würde er ihr folgen beim Aussteigen, durch die einsamen Gänge, über die verlassenen Treppen? Bilder stürzten auf sie ein: Sie sah sich rennen, er wie ein Schatten ihr auf den Fersen&#8230;</p>
<p>Sie fühlte ihre Finger taub und die Knie weich werden. Ihr war übel.</p>
<p>Unruhig rutschte sie auf dem Sitz herum. Die beiden Frauen rechts und links neben ihr wirkten abwesend, hatten Kopfhörer auf, Blick nach innen gekehrt. Hatten kaum aufgeschaut, als Alma sich zwischen sie zwängte. Gegenüber las einer Zeitung.</p>
<p>Nun ging eine der Frauen zur Tür. Plötzlich war Almas rechte Seite schutzlos preisgegeben. Die Bahn hielt an, die Tür öffnete sich.</p>
<p>Alma wagte es. Sie musste es wissen! Sie lehnte sich vor, ihr Blick suchte die anderen Waggons ab. Die roten Schuhe waren verschwunden. Er war ausgestiegen! Erleichtert sank sie in sich zusammen&#8230;</p>
<p>Sie nahm sich wieder ihr Buch vor, suchte die verschlagene Seite. Das Signal ertönte. Sie richtete sich auf &#8211; und versteinerte. Die Sneaker hatten sich im letzten Augenblick durch die Tür gedrängt, eine Explosion in Rot.</p>
<p>Er lehnte sich mit der Schulter an die Mittelstange. Aus dem Augenwinkel stellte Alma entsetzt fest, dass er sie fixierte. Sie spürte den teuflischen Spaß, den es ihm bereitete, sie hin und herzujagen. Wut schoss ihr ins Gesicht. Wie konnte er es wagen, ihr seinen Willen aufzuzwingen! Sie war wie gelähmt.</p>
<p>Jetzt löste er sich von der Stange, kam direkt auf sie zu. Alma presste ihren Rücken in den Sitz. Er ging vorbei, so dicht, dass er sie streifte. Die Frau neben ihr blickte auf, der Mann gegenüber ließ die Zeitung sinken. Alle Augen waren nun auf ihn gerichtet, als er zur rückwärtigen Tür schlenderte. Kaum hielt die Bahn, war er draußen.</p>
<p>Als sich die Tür wieder schloss, spürte Alma noch immer ihr Herz hämmern. Sie fühlte sich ausgelaugt, hatte einen üblen Geschmack im Mund. Die Haut im Gesicht brannte. Sie konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen. Das Wort &#8220;Opfer&#8221; kam ihr in den Sinn. Scham über ihr Ausgeliefertsein erfasste sie.</p>
<p>Beim Anfahren der Bahn, sah sie ihn drüben an der Bahnsteigkante stehen, unbeweglich, Hände in den Hosentaschen, schaute er herüber. Sein Gesicht konnte sie nicht erkennen, seine Schuhe jedoch &#8211; giftig rote Signatur &#8211; bis zuletzt.</p>
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		<itunes:subtitle>Die roten Schuhe
von Karin Kaiser
Beim Einsteigen in die spärlich besetzte U-Bahn war er ihr aufgefallen, elegant in Jeans und Jackett gekleidet, dunkel. Alma bemerkte schmale Lippen und eine harte Stirn. Als ihre Blicke sich trafen, senkte sie die [...]</itunes:subtitle>
		<itunes:summary>Die roten Schuhe
von Karin Kaiser
Beim Einsteigen in die spärlich besetzte U-Bahn war er ihr aufgefallen, elegant in Jeans und Jackett gekleidet, dunkel. Alma bemerkte schmale Lippen und eine harte Stirn. Als ihre Blicke sich trafen, senkte sie die Augen. Sie drehte sich weg, setzte sich ans Ende der leeren, langen Bank. An die Zwischenwand gelehnt, schlug sie ihr Buch auf.
Plötzlich stand er neben ihr. War einfach da in diesen knallroten Sneakern aus glänzendem Leder. Die Spitzen zeigten direkt auf sie. Eine Hand lässig am Haltegriff musterte er die Streckenanzeige über ihrem Kopf. 
Sie fragte sich, was das sollte, überall war mehr Platz! Er war ihr viel zu nah! Ärger fuhr ihr in den Nacken. Sie straffte die Schultern. Für sie war er Luft!
Alma hielt ihr Buch dicht vors Gesicht. Um keinen Preis wollte sie ihn noch einmal anschauen. Diese Messerschärfe in seinem Blick&#8230;
Zeile um Zeile las sie, ohne den Sinn zu verstehen. Ihre Augen kehrten immer wieder zurück zu den Schuhen, zwanghaft von der Farbe angezogen, glühende Brandherde, die sie unter Kontrolle halten musste: Mit jeder Neigung der Bahn rückten sie näher&#8230;
Da! Sein Bein hatte ihr Knie berührt!
Sie packte ihre Tasche und hastete mit gesenktem Kopf in den nächsten Waggon. Sie schwitzte, riss sich den Schal vom Hals, ihr Buch fiel zu Boden, Notizzettel flatterten unter den Sitz. Sie angelte nach den Zetteln &#8230;
Und da waren sie wieder! Langsam näherten sie sich, Schritt für Schritt, signalrot, aufdringlich &#8211; stoppten genau ihr gegenüber! Wendeten sich ab.
Wieder studierte er den Streckenplan, nun mit dem Rücken zu ihr.
Das ist doch lächerlich, dachte Alma, was für eine dümmliche Masche! Sie ordnete ihre Zettel, bemerkte, dass ihre Finger zitterten. Er würde es nicht noch einmal wagen&#8230;
Wie das Kaninchen die Schlange starrte sie die Schuhe an, die vorwärts, seitwärts tänzelten und dann -  rückwärts.
Ohne zu zögern riss sie sich hoch, floh, Buch und Blätter an ihre Brust gedrückt abermals, den Schal hinter sich her schleifend in den übernächsten Waggon, ließ sich zwischen zwei Frauen auf den Sitz fallen.
Gerettet!
Nach einer Weile kam sie sich albern vor. Was sollte ihr geschehen? Mach bloß kein Theater, sagte sie sich. Nichts, gar nichts kann er dir hier in der Öffentlichkeit tun. Oder doch? Kälte kroch ihr über den Rücken.
Würde er ihr folgen beim Aussteigen, durch die einsamen Gänge, über die verlassenen Treppen? Bilder stürzten auf sie ein: Sie sah sich rennen, er wie ein Schatten ihr auf den Fersen&#8230;
Sie fühlte ihre Finger taub und die Knie weich werden. Ihr war übel.
Unruhig rutschte sie auf dem Sitz herum. Die beiden Frauen rechts und links neben ihr wirkten abwesend, hatten Kopfhörer auf, Blick nach innen gekehrt. Hatten kaum aufgeschaut, als Alma sich zwischen sie zwängte. Gegenüber las einer Zeitung.
Nun ging eine der Frauen zur Tür. Plötzlich war Almas rechte Seite schutzlos preisgegeben. Die Bahn hielt an, die Tür öffnete sich.
Alma wagte es. Sie musste es wissen! Sie lehnte sich vor, ihr Blick suchte die anderen Waggons ab. Die roten Schuhe waren verschwunden. Er war ausgestiegen! Erleichtert sank sie in sich zusammen&#8230;
Sie nahm sich wieder ihr Buch vor, suchte die verschlagene Seite. Das Signal ertönte. Sie richtete sich auf &#8211; und versteinerte. Die Sneaker hatten sich im letzten Augenblick durch die Tür gedrängt, eine Explosion in Rot.
Er lehnte sich mit der Schulter an die Mittelstange. Aus dem Augenwinkel stellte Alma entsetzt fest, dass er sie fixierte. Sie spürte den teuflischen Spaß, den es ihm bereitete, sie hin und herzujagen. Wut schoss ihr ins Gesicht. Wie konnte er es wagen, ihr seinen Willen aufzuzwingen! Sie war wie gelähmt.
Jetzt löste er sich von der Stange, kam direkt auf sie zu. Alma presste ihren Rücken in den Sitz. Er ging vorbei, so dicht, dass er sie streifte. Die Frau neben ihr blickte auf, der Mann gegenüber ließ die Zeitung sinken. Alle Augen waren nun auf ihn gerichtet, als er zur rückwärtig[...]</itunes:summary>
		<itunes:keywords>Aktuell, Audios, Weblogs</itunes:keywords>
		<itunes:author>Ronald Richter</itunes:author>
		<itunes:explicit>no</itunes:explicit>
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	</item>
		<item>
		<title>Hochparterre Mitte &#8211; Der Mitte-Blog</title>
		<link>http://www.kultradio.eu/2009/10/14/hochparterre-mitte-der-mitte-blog-28/?utm_source=rss&#038;utm_medium=rss&#038;utm_campaign=hochparterre-mitte-der-mitte-blog-28</link>
		<comments>http://www.kultradio.eu/2009/10/14/hochparterre-mitte-der-mitte-blog-28/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 14 Oct 2009 12:43:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kult Ron</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Audios]]></category>
		<category><![CDATA[Hochparterre Mitte]]></category>
		<category><![CDATA[Weblogs]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.kultur-im-kiez.de/wordpress/?p=4719</guid>
		<description><![CDATA[Dill &#8211; von Herzen von Karin Kaiser Alma presste die Kiefer aufeinander, dass sie schmerzten. Hinter den Zähnen scharfe Worte, feindseliges Zischen, ein Knäuel Giftschlangen. Sie hätte die Person vor ihr anschreien mögen, sie schütteln, schubsen &#8230; Mann! Wird&#8217;s bald? Die hält doch mit ihrem Kinderportemonnaie den ganzen Betrieb auf! Wie auf einer Wolke war [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dill &#8211; von Herzen<br />
von Karin Kaiser</p>
<p>Alma presste die Kiefer aufeinander, dass sie schmerzten. Hinter den Zähnen scharfe Worte, feindseliges Zischen, ein Knäuel Giftschlangen. Sie hätte die Person vor ihr anschreien mögen, sie schütteln, schubsen &#8230; Mann! Wird&#8217;s bald? Die hält doch mit ihrem Kinderportemonnaie den ganzen Betrieb auf!<span id="more-4719"></span></p>
<p>Wie auf einer Wolke war Alma durch den Supermarkt gesegelt, freudestrahlend mit einem Strauß Dill im Arm: Drei Bund lange Stiele mit grüngoldenen Dolden und fein gefiederten Blättern.</p>
<p>&#8220;Wie wunderschön&#8230; Ach, wie das duftet&#8230;Und wo sind die Gurken?&#8221;<br />
Von Zurufen vorwärtsgetragen schwebte sie zur Kasse &#8211; und stürzte ab: Eine endlose Schlange staute sich bis hinein in die Schlucht der Keksregale.</p>
<p>Jetzt war die Pedantin dabei, Münze um Münze aus der Zwergenbörse zu fischen, sie bedächtig auf den Kassentresen zu legen. Es reichte nicht!</p>
<p>Alma rollte die Augen zur Decke, straffte die Schultern, reckte das Kinn. Augen zu schmalen Schlitzen verengt, musterte sie die vor ihr Stehende: Dünnes strähniges Haar, schlabbriger Anorak, magere Schultern.</p>
<p>Aber hier so einen Aufstand machen&#8230;!, schnaubte sie innerlich, Nacken angespannt.<br />
Nun fummelte die auch noch einen pingelig gefalteten Schein auseinander. Prustend stieß Alma den angehaltenen Atem aus, drückte das Kreuz durch und stemmte die Arme in die Hüften.</p>
<p>&#8220;Wie gut das riecht!&#8221;, drehte sich die Frau lächelnd zu ihr um. Verdutzt lächelte Alma zurück. Entwaffnet.</p>
<p>Ihr Wutpanzer sackte wie angepiekt  zusammen, ihr schossen Tränen in die Augen.</p>
<p>Fassungslos riss sie ihre Tasche an sich, wühlte darin herum. Wo war die Sonnenbrille? Hilfe! Sie konnte doch hier nicht losheulen! Was war denn passiert? Ein Lächeln. Für sie. Warum?</p>
<p>Warum für sie? Warum war diese Frau so freundlich zu ihr? Zu ihr, dem Feind in ihrem Rücken?</p>
<p>Da gab&#8217;s nur eins: Der Dill war‘s. Der Duft des Dills war schuld. Beim Hinausgehen fiel es ihr wieder ein: Auf Hindi heißt Dil &#8211; Herz!</p>
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		<itunes:subtitle>Dill &#8211; von Herzen
von Karin Kaiser
Alma presste die Kiefer aufeinander, dass sie schmerzten. Hinter den Zähnen scharfe Worte, feindseliges Zischen, ein Knäuel Giftschlangen. Sie hätte die Person vor ihr anschreien mögen, sie schütteln, schubse[...]</itunes:subtitle>
		<itunes:summary>Dill &#8211; von Herzen
von Karin Kaiser
Alma presste die Kiefer aufeinander, dass sie schmerzten. Hinter den Zähnen scharfe Worte, feindseliges Zischen, ein Knäuel Giftschlangen. Sie hätte die Person vor ihr anschreien mögen, sie schütteln, schubsen &#8230; Mann! Wird&#8217;s bald? Die hält doch mit ihrem Kinderportemonnaie den ganzen Betrieb auf!
Wie auf einer Wolke war Alma durch den Supermarkt gesegelt, freudestrahlend mit einem Strauß Dill im Arm: Drei Bund lange Stiele mit grüngoldenen Dolden und fein gefiederten Blättern.
&#8220;Wie wunderschön&#8230; Ach, wie das duftet&#8230;Und wo sind die Gurken?&#8221;
Von Zurufen vorwärtsgetragen schwebte sie zur Kasse &#8211; und stürzte ab: Eine endlose Schlange staute sich bis hinein in die Schlucht der Keksregale.
Jetzt war die Pedantin dabei, Münze um Münze aus der Zwergenbörse zu fischen, sie bedächtig auf den Kassentresen zu legen. Es reichte nicht!
Alma rollte die Augen zur Decke, straffte die Schultern, reckte das Kinn. Augen zu schmalen Schlitzen verengt, musterte sie die vor ihr Stehende: Dünnes strähniges Haar, schlabbriger Anorak, magere Schultern.
Aber hier so einen Aufstand machen&#8230;!, schnaubte sie innerlich, Nacken angespannt.
Nun fummelte die auch noch einen pingelig gefalteten Schein auseinander. Prustend stieß Alma den angehaltenen Atem aus, drückte das Kreuz durch und stemmte die Arme in die Hüften.
&#8220;Wie gut das riecht!&#8221;, drehte sich die Frau lächelnd zu ihr um. Verdutzt lächelte Alma zurück. Entwaffnet.
Ihr Wutpanzer sackte wie angepiekt  zusammen, ihr schossen Tränen in die Augen.
Fassungslos riss sie ihre Tasche an sich, wühlte darin herum. Wo war die Sonnenbrille? Hilfe! Sie konnte doch hier nicht losheulen! Was war denn passiert? Ein Lächeln. Für sie. Warum?
Warum für sie? Warum war diese Frau so freundlich zu ihr? Zu ihr, dem Feind in ihrem Rücken?
Da gab&#8217;s nur eins: Der Dill war‘s. Der Duft des Dills war schuld. Beim Hinausgehen fiel es ihr wieder ein: Auf Hindi heißt Dil &#8211; Herz!

				
				
					
					
					
					
				
					 
				
		</itunes:summary>
		<itunes:keywords>Aktuell, Audios, Weblogs</itunes:keywords>
		<itunes:author>Ronald Richter</itunes:author>
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	</item>
		<item>
		<title>Hochparterre Mitte &#124; Der Mitte-Blog</title>
		<link>http://www.kultradio.eu/2009/09/17/hochparterre-mitte-der-mitte-blog-27/?utm_source=rss&#038;utm_medium=rss&#038;utm_campaign=hochparterre-mitte-der-mitte-blog-27</link>
		<comments>http://www.kultradio.eu/2009/09/17/hochparterre-mitte-der-mitte-blog-27/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 17 Sep 2009 13:04:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kult Ron</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Audios]]></category>
		<category><![CDATA[Hochparterre Mitte]]></category>
		<category><![CDATA[Weblogs]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.kultur-im-kiez.de/wordpress/?p=4294</guid>
		<description><![CDATA[Erschwerte Bedingungen von Karin Kaiser Die Enge des Raums, das diffuse Licht, die abgestandene Luft lasteten auf ihrer Brust. Sie atmete flach durch den Mund, um nicht wahrzunehmen, was ihr beim Betreten des Hauses entgegen geschlagen war: Der Geruch nach Essen, menschlichen Ausdünstungen, überlagert von Desinfektionsmitteln. Alma schluckte gegen die Trockenheit ihrer Kehle an. &#8220;Frau [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Erschwerte Bedingungen<br />
von Karin Kaiser</p>
<p>Die Enge des Raums, das diffuse Licht, die abgestandene Luft lasteten auf ihrer Brust. Sie atmete flach durch den Mund, um nicht wahrzunehmen, was ihr beim Betreten des Hauses entgegen geschlagen war: Der Geruch nach Essen, menschlichen Ausdünstungen, überlagert von Desinfektionsmitteln. Alma schluckte gegen die Trockenheit ihrer Kehle an.<span id="more-4294"></span><br />
&#8220;Frau Rose liebt Spaziergänge im Grünen und plaudert oft recht angeregt&#8221;, so der Begleitbogen.</p>
<p>Die zusammengesunkene Gestalt im Rollstuhl hob kaum den Kopf, als die Heimleiterin sich vor ihr aufbaute, in die Knie ging, ihr direkt ins Gesicht blickte, damit sie die lauten Worte auch von den Lippen ablesen konnte.</p>
<p>Frau Rose war beinahe taub.</p>
<p>&#8220;Oft ist es unmöglich einzuschätzen, ob sie einen überhaupt versteht, oder es an ihrer Verwirrung und ihrem schwachen Gedächtnis liegt, wenn sie nicht reagiert&#8221;, hieß es weiter im Begleitbogen.</p>
<p>Alma blieb im Türrahmen stehen. Ihr Blick war gefangen von Frau Roses Hinterkopf, der bedeckt mit fedrig-weißem Haar so verletzlich wirkte, kindlich und doch dem Ende so nah. Alle Vorstellungen von einem heiteren  Vormittag draußen am See lösten sich auf.</p>
<p>Sie sah sich selbst,  gelähmt vom Alter, abgeschoben in hoffnungslose Dumpfheit, vergessen, einsam, sah sich langsam sterben, ihre Verbindung zur Welt gekappt.</p>
<p>Nach Oma Bertas Tod hatte sie mehr über das Ende des Lebens erfahren wollen &#8211; jetzt wollte sie nur noch weg. Raus! In die Frische, ins Grüne, ins Leben.<br />
Was konnte sie an dieser Trostlosigkeit ändern? Wo die Kraft dafür hernehmen?</p>
<p>Doch sie hatte sich geschworen dranzubleiben. Sie war es leid davonzulaufen, den Kopf in den Sand zu stecken. Sie schob sich neben die Leiterin, beugte sich hinunter und sah Frau Rose in die Augen: &#8220;Ich bin Alma Herzog, ich komme sie besuchen.&#8221;<br />
Sie schrie, um sich verständlich zu machen, sie schrie gegen das Gefühl von Sinnlosigkeit an.</p>
<p>Frau Roses Augen, riesig hinter dicken Brillengläsern blickten in verschiedene Richtungen, das rechte aus dem Fenster, das linke musterte Alma. &#8220;Großmutter, warum hast du so große Augen?&#8221; schoss es ihr durch den Kopf -  ein Lachen stieg in  ihr auf.</p>
<p>&#8220;Wer sind Sie denn überhaupt, ich kenne Sie doch gar nicht!&#8221; bellte Frau Rose. &#8220;Das hat doch alles keinen Zweck!&#8221;</p>
<p>Almas Lächeln fror ein.<br />
&#8220;Ich will meine Ruhe!&#8221; Das eine Auge starrte wütend, der Mund mahlte in Erregung und Empörung.</p>
<p>Als Alma allein auf dem Rand des Sessels vor Frau Rose saß, hilflos, am Ende ihres Lateins, wusste sie, ihre Fragen waren ins Leere gegangen.</p>
<p>Frau Rose wiederholte immer nur: &#8220;Wo kommen Sie denn her?&#8221;</p>
<p>Almas Antworten verwirrten sie. Angestrengt runzelte sie die Stirn.</p>
<p>&#8220;Ich bin doch schon hundert! Sie sind doch bloß alle neugierig, ob ich noch lebe.&#8221; Mundwinkel tief nach unten gezogen, knetete sie ein Taschentuch in ihrem Schoß, das eine Auge noch immer  grimmig.</p>
<p>&#8220;Bin doch nur ein geduldeter Mensch. Ganz nutzlos. Die haben hier nur Last mit mir. Warum kann ich nicht sterben? Das macht doch alles keinen Sinn, keine Freude mehr.&#8221;</p>
<p>Alma krümmte den Rücken unter der Wucht dieser herabstürzenden Sätze. Kein Sinn&#8230; sterben&#8230; keine Freude&#8230; nutzlos&#8230;</p>
<p>Sie ließ den Kopf hängen, wusste nichts darauf zu sagen.</p>
<p>Ratlos suchten ihre Finger Halt, landeten auf der Decke über Frau Roses Knien. Schweigend saßen sie da. Alma starrte auf ihre Sneaker&#8230; silbriger Schimmer&#8230; irgendwie tröstlich.</p>
<p>Plötzlich trat die Schwester ins Zimmer, von hinten an den Rollstuhl, legte ihre Hand auf Frau Roses Schulter und beugte sich zum Ohr mit dem Hörgerät hinunter&#8230;</p>
<p>Und da sah Alma es! Fast hätte sie Bravo gerufen: Frau Roses kleine Hand schoss wie ein fliegender Fisch hinauf, packte die Hand der Schwester: Ihr Gesicht leuchtete auf,  der Mund eines jungen Mädchens lächelte Alma an.</p>
<p>Sie atmete auf. Da konnte Frau Rose reden, was sie wollte. Alma hatte sie erwischt! Einen Augenblick lang war sie mitten hinein ins Leben getaucht.</p>
<p>Draußen war es nach dem Regen heller geworden. Alma reckte sich und öffnete das Fenster. Sie lehnte sich weit hinaus, sog den Duft der Kiefern ein -  da hörte sie hinter sich polternd Frau Roses Stimme: &#8220;Das ist aber schön, dass Sie mich &#8216;mal besuchen kommen.&#8221;</p>
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		<itunes:subtitle>Erschwerte Bedingungen
von Karin Kaiser
Die Enge des Raums, das diffuse Licht, die abgestandene Luft lasteten auf ihrer Brust. Sie atmete flach durch den Mund, um nicht wahrzunehmen, was ihr beim Betreten des Hauses entgegen geschlagen war: Der Geru[...]</itunes:subtitle>
		<itunes:summary>Erschwerte Bedingungen
von Karin Kaiser
Die Enge des Raums, das diffuse Licht, die abgestandene Luft lasteten auf ihrer Brust. Sie atmete flach durch den Mund, um nicht wahrzunehmen, was ihr beim Betreten des Hauses entgegen geschlagen war: Der Geruch nach Essen, menschlichen Ausdünstungen, überlagert von Desinfektionsmitteln. Alma schluckte gegen die Trockenheit ihrer Kehle an.
&#8220;Frau Rose liebt Spaziergänge im Grünen und plaudert oft recht angeregt&#8221;, so der Begleitbogen.
Die zusammengesunkene Gestalt im Rollstuhl hob kaum den Kopf, als die Heimleiterin sich vor ihr aufbaute, in die Knie ging, ihr direkt ins Gesicht blickte, damit sie die lauten Worte auch von den Lippen ablesen konnte.
Frau Rose war beinahe taub.
&#8220;Oft ist es unmöglich einzuschätzen, ob sie einen überhaupt versteht, oder es an ihrer Verwirrung und ihrem schwachen Gedächtnis liegt, wenn sie nicht reagiert&#8221;, hieß es weiter im Begleitbogen.
Alma blieb im Türrahmen stehen. Ihr Blick war gefangen von Frau Roses Hinterkopf, der bedeckt mit fedrig-weißem Haar so verletzlich wirkte, kindlich und doch dem Ende so nah. Alle Vorstellungen von einem heiteren  Vormittag draußen am See lösten sich auf.
Sie sah sich selbst,  gelähmt vom Alter, abgeschoben in hoffnungslose Dumpfheit, vergessen, einsam, sah sich langsam sterben, ihre Verbindung zur Welt gekappt.
Nach Oma Bertas Tod hatte sie mehr über das Ende des Lebens erfahren wollen &#8211; jetzt wollte sie nur noch weg. Raus! In die Frische, ins Grüne, ins Leben.
Was konnte sie an dieser Trostlosigkeit ändern? Wo die Kraft dafür hernehmen?
Doch sie hatte sich geschworen dranzubleiben. Sie war es leid davonzulaufen, den Kopf in den Sand zu stecken. Sie schob sich neben die Leiterin, beugte sich hinunter und sah Frau Rose in die Augen: &#8220;Ich bin Alma Herzog, ich komme sie besuchen.&#8221;
Sie schrie, um sich verständlich zu machen, sie schrie gegen das Gefühl von Sinnlosigkeit an.
Frau Roses Augen, riesig hinter dicken Brillengläsern blickten in verschiedene Richtungen, das rechte aus dem Fenster, das linke musterte Alma. &#8220;Großmutter, warum hast du so große Augen?&#8221; schoss es ihr durch den Kopf -  ein Lachen stieg in  ihr auf.
&#8220;Wer sind Sie denn überhaupt, ich kenne Sie doch gar nicht!&#8221; bellte Frau Rose. &#8220;Das hat doch alles keinen Zweck!&#8221;
Almas Lächeln fror ein.
&#8220;Ich will meine Ruhe!&#8221; Das eine Auge starrte wütend, der Mund mahlte in Erregung und Empörung.
Als Alma allein auf dem Rand des Sessels vor Frau Rose saß, hilflos, am Ende ihres Lateins, wusste sie, ihre Fragen waren ins Leere gegangen.
Frau Rose wiederholte immer nur: &#8220;Wo kommen Sie denn her?&#8221;
Almas Antworten verwirrten sie. Angestrengt runzelte sie die Stirn.
&#8220;Ich bin doch schon hundert! Sie sind doch bloß alle neugierig, ob ich noch lebe.&#8221; Mundwinkel tief nach unten gezogen, knetete sie ein Taschentuch in ihrem Schoß, das eine Auge noch immer  grimmig.
&#8220;Bin doch nur ein geduldeter Mensch. Ganz nutzlos. Die haben hier nur Last mit mir. Warum kann ich nicht sterben? Das macht doch alles keinen Sinn, keine Freude mehr.&#8221;
Alma krümmte den Rücken unter der Wucht dieser herabstürzenden Sätze. Kein Sinn&#8230; sterben&#8230; keine Freude&#8230; nutzlos&#8230;
Sie ließ den Kopf hängen, wusste nichts darauf zu sagen.
Ratlos suchten ihre Finger Halt, landeten auf der Decke über Frau Roses Knien. Schweigend saßen sie da. Alma starrte auf ihre Sneaker&#8230; silbriger Schimmer&#8230; irgendwie tröstlich.
Plötzlich trat die Schwester ins Zimmer, von hinten an den Rollstuhl, legte ihre Hand auf Frau Roses Schulter und beugte sich zum Ohr mit dem Hörgerät hinunter&#8230;
Und da sah Alma es! Fast hätte sie Bravo gerufen: Frau Roses kleine Hand schoss wie ein fliegender Fisch hinauf, packte die Hand der Schwester: Ihr Gesicht leuchtete auf,  der Mund eines jungen Mädchens lächelte Alma an.
Sie atmete auf. Da konnte Frau Rose reden, was sie wollte. Alma hatte sie erw[...]</itunes:summary>
		<itunes:keywords>Aktuell, Audios, Weblogs</itunes:keywords>
		<itunes:author>Ronald Richter</itunes:author>
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		<title>Hochparterre Mitte &#8211; Der Mitte-Blog</title>
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		<pubDate>Tue, 28 Jul 2009 11:23:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kult Ron</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Hochparterre Mitte]]></category>
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		<description><![CDATA[Mother India von Karin Kaiser Ihren Fuß im abgetragenen Laufschuh aufs Geländer an der Spree gestützt atmete Alma durch, stolz auf die drei Runden um die Museumsinsel in persönlicher Bestzeit. Sie reckte die Arme über den Kopf und löste ihr Haar. Das Haarband zwischen den Zähnen schüttelte sie die Mähne, um sie wieder zum  Pferdeschwanz [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mother India<br />
von Karin Kaiser</p>
<p>Ihren Fuß im abgetragenen Laufschuh aufs Geländer an der Spree gestützt atmete Alma durch, stolz auf die drei Runden um die Museumsinsel in persönlicher Bestzeit.</p>
<p>Sie reckte die Arme über den Kopf und löste ihr Haar. Das Haarband zwischen den Zähnen schüttelte sie die Mähne, um sie wieder zum  Pferdeschwanz zusammenzufassen.</p>
<p>Unten am Kai stieß das Ausflugsschiff schwarze Dieselwolken aus, legte im Rückwärtsgang mit schäumender Heckwelle ab.</p>
<p>Da! ganz vorne an der Spitze, auf dem vollgepackten Oberdeck erspähte Alma drei dunkelhäutige Männer: Adrette Windjacken, tiefschwarz korrekt gescheiteltes Haar, Kameras wie Kelche zum Ufer erhoben&#8230; Ihr Herz hüpfte, sie lachte auf vor Freude,  lehnte sich weit übers Geländer,  wedelte mit den Armen, ließ das Haarband flattern.<br />
&#8220;Hallo! Hallo!!&#8221;</p>
<p>Das Boot drehte langsam zur Mitte, nahm Fahrt auf. Einer der Männer hatte Alma entdeckt, er hob die Hand.<br />
&#8220;Are you from India?&#8221;, überschrie Alma das Röhren der Maschinen.  <span id="more-3484"></span></p>
<p>&#8220;Yes, yes, India &#8211; Bangalore!&#8221;</p>
<p>Alle drei drängten sich zur Reling, ihre Kameras auf Alma gerichtet.<br />
Alma hüpfte auf und ab: &#8220;Great!&#8221;<br />
Hände zum Trichter vor dem Mund geformt rief sie: &#8220;I love India!&#8221;</p>
<p>Langsam verschwand das Boot mit den Dreien unter der Brücke: Ihr Lachen blitzte bis zuletzt zu Alma herüber, sie konnte selbst nicht aufhören zu lächeln.</p>
<p>Von Glückswolken getragen trabte sie nach Hause, machte Luftsprünge. &#8220;Yeah! Gimme five!&#8221; Unter ihrem Handschlag wirbelten  Weidenzweige herum.</p>
<p>Sie hatte ihre Sehnsucht auf die Reise zurück ins Mutterland geschickt. Ein magisches Band geknüpft, das sie vielleicht schon bald wieder mit Indien, der Erde, dem Licht, den Menschen dort verbinden würde &#8230;</p>
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		<itunes:subtitle>Mother India
von Karin Kaiser
Ihren Fuß im abgetragenen Laufschuh aufs Geländer an der Spree gestützt atmete Alma durch, stolz auf die drei Runden um die Museumsinsel in persönlicher Bestzeit.
Sie reckte die Arme über den Kopf und löste ihr Haar. Da[...]</itunes:subtitle>
		<itunes:summary>Mother India
von Karin Kaiser
Ihren Fuß im abgetragenen Laufschuh aufs Geländer an der Spree gestützt atmete Alma durch, stolz auf die drei Runden um die Museumsinsel in persönlicher Bestzeit.
Sie reckte die Arme über den Kopf und löste ihr Haar. Das Haarband zwischen den Zähnen schüttelte sie die Mähne, um sie wieder zum  Pferdeschwanz zusammenzufassen.
Unten am Kai stieß das Ausflugsschiff schwarze Dieselwolken aus, legte im Rückwärtsgang mit schäumender Heckwelle ab.
Da! ganz vorne an der Spitze, auf dem vollgepackten Oberdeck erspähte Alma drei dunkelhäutige Männer: Adrette Windjacken, tiefschwarz korrekt gescheiteltes Haar, Kameras wie Kelche zum Ufer erhoben&#8230; Ihr Herz hüpfte, sie lachte auf vor Freude,  lehnte sich weit übers Geländer,  wedelte mit den Armen, ließ das Haarband flattern.
&#8220;Hallo! Hallo!!&#8221;
Das Boot drehte langsam zur Mitte, nahm Fahrt auf. Einer der Männer hatte Alma entdeckt, er hob die Hand.
&#8220;Are you from India?&#8221;, überschrie Alma das Röhren der Maschinen.  
&#8220;Yes, yes, India &#8211; Bangalore!&#8221;
Alle drei drängten sich zur Reling, ihre Kameras auf Alma gerichtet.
Alma hüpfte auf und ab: &#8220;Great!&#8221;
Hände zum Trichter vor dem Mund geformt rief sie: &#8220;I love India!&#8221;
Langsam verschwand das Boot mit den Dreien unter der Brücke: Ihr Lachen blitzte bis zuletzt zu Alma herüber, sie konnte selbst nicht aufhören zu lächeln.
Von Glückswolken getragen trabte sie nach Hause, machte Luftsprünge. &#8220;Yeah! Gimme five!&#8221; Unter ihrem Handschlag wirbelten  Weidenzweige herum.
Sie hatte ihre Sehnsucht auf die Reise zurück ins Mutterland geschickt. Ein magisches Band geknüpft, das sie vielleicht schon bald wieder mit Indien, der Erde, dem Licht, den Menschen dort verbinden würde &#8230;

				
				
					
					
					
					
				
					 
				
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		<itunes:author>Ronald Richter</itunes:author>
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		<title>Hochparterre Mitte &#8211; Der Mitte-Blog</title>
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		<comments>http://www.kultradio.eu/2009/07/17/hochparterre-mitte-der-mitte-blog-25/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 17 Jul 2009 11:41:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kult Ron</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Mit Fragezeichen von Karin Kaiser Eiskalt glänzte im Halbdunkel des Flurs eine Marmorskulptur. Lukas, winzig vor den überlebensgroßen Figuren, legte den Lockenkopf in den Nacken, starrte stumm. Schließlich zerrte er an Almas Hand: &#8220;Was macht der Mann?&#8221; &#8220;Stopp!&#8221;, hätte sie am liebsten gerufen. &#8220;Ich weiß die gute, schöne, richtige Antwort noch nicht!&#8221; Maria, den Leichnam [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mit Fragezeichen<br />
von Karin Kaiser</p>
<p>Eiskalt glänzte im Halbdunkel des Flurs eine Marmorskulptur. Lukas, winzig vor den überlebensgroßen Figuren, legte den Lockenkopf in den Nacken, starrte stumm.</p>
<p>Schließlich zerrte er an Almas Hand: &#8220;Was macht der Mann?&#8221;<br />
&#8220;Stopp!&#8221;, hätte sie am liebsten gerufen. &#8220;Ich weiß die gute, schöne, richtige Antwort noch nicht!&#8221;<span id="more-3440"></span></p>
<p>Maria, den Leichnam Jesu auf den Knien, das Haupt demütig gesenkt, ihr Gesicht vor Trauer verschlossen: Eine Geschichte für einen Dreijährigen?</p>
<p>Zögerlich setzte sie an: &#8220;Also, der ist krank&#8230;&#8221; Sofort schoss ihr durch den Kopf: Oh nein, was bist du bloß für ein Feigling! Sie  räusperte sich: &#8220;&#8230; oder vielleicht tot.&#8221;</p>
<p>Sie hatte es gesagt, das t-Wort, immerhin!<br />
Lukas blieb still. Sie war jetzt auch lieber still.<br />
Die kleine Hand zog energisch in Richtung  Kapelle: &#8220;Kerzen anzünden!&#8221;</p>
<p>Später, schon auf der Treppe zum Hof, stoppte Lukas plötzlich: &#8220;Ich will den toten Mann sehen!&#8221;</p>
<p>Also &#8211; tot. Ihre Ausflüchte hatten ihn nicht beeindruckt. Der Kleine ließ nicht locker! Alma war berührt und erleichtert -  die zweite Chance.</p>
<p>Doch wieder wand sie sich, Tabus wie Kieselsteine im Mund. Wollte sie von einer brutalen Hinrichtung erzählen, von Blut, Torturen, Gewalt? Von Schmerz und Tränen einer trostlosen Mutter? Mit welchen Worten denn bloß? Sein Kinderleben sollte hell und unbelastet bleiben. Ende, Abschied,Trauer, das kam noch früh genug. Alles begann doch gerade erst für ihn!</p>
<p>Ratlos schwankte sie hin und her. Mit einer fahrigen Geste strich sie sich die Haare aus dem Gesicht. Himmel hilf, dachte sie, ich hab&#8217; keine Ahnung.</p>
<p>&#8220;Die Frau hält den toten Mann, damit es ihm gut geht, bis er in den Himmel kommt.&#8221; Die Worte klangen völlig verdreht in ihren Ohren. Ihr wurde ganz heiß vor Scham über ihr Rumgeeiere.</p>
<p>&#8220;Ah, seine Mama!&#8221; rief Lukas, drehte sich um, rannte durch die Tür ins Freie.</p>
<p>&#8220;Warte!&#8221;, rief Alma, als sie sah, dass er auf eine Schubkarre zusteuerte, die neben einem Sandhaufen abgestellt war. Schon zog er eine  Maurerkelle unter den Werkzeugen hervor und winkte Alma mit ihr zu: &#8220;Was machen die Bauarbeiter damit?&#8221;</p>
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		<itunes:subtitle>Mit Fragezeichen
von Karin Kaiser
Eiskalt glänzte im Halbdunkel des Flurs eine Marmorskulptur. Lukas, winzig vor den überlebensgroßen Figuren, legte den Lockenkopf in den Nacken, starrte stumm.
Schließlich zerrte er an Almas Hand: &#8220;Was macht d[...]</itunes:subtitle>
		<itunes:summary>Mit Fragezeichen
von Karin Kaiser
Eiskalt glänzte im Halbdunkel des Flurs eine Marmorskulptur. Lukas, winzig vor den überlebensgroßen Figuren, legte den Lockenkopf in den Nacken, starrte stumm.
Schließlich zerrte er an Almas Hand: &#8220;Was macht der Mann?&#8221;
&#8220;Stopp!&#8221;, hätte sie am liebsten gerufen. &#8220;Ich weiß die gute, schöne, richtige Antwort noch nicht!&#8221;
Maria, den Leichnam Jesu auf den Knien, das Haupt demütig gesenkt, ihr Gesicht vor Trauer verschlossen: Eine Geschichte für einen Dreijährigen?
Zögerlich setzte sie an: &#8220;Also, der ist krank&#8230;&#8221; Sofort schoss ihr durch den Kopf: Oh nein, was bist du bloß für ein Feigling! Sie  räusperte sich: &#8220;&#8230; oder vielleicht tot.&#8221;
Sie hatte es gesagt, das t-Wort, immerhin!
Lukas blieb still. Sie war jetzt auch lieber still.
Die kleine Hand zog energisch in Richtung  Kapelle: &#8220;Kerzen anzünden!&#8221;
Später, schon auf der Treppe zum Hof, stoppte Lukas plötzlich: &#8220;Ich will den toten Mann sehen!&#8221;
Also &#8211; tot. Ihre Ausflüchte hatten ihn nicht beeindruckt. Der Kleine ließ nicht locker! Alma war berührt und erleichtert -  die zweite Chance.
Doch wieder wand sie sich, Tabus wie Kieselsteine im Mund. Wollte sie von einer brutalen Hinrichtung erzählen, von Blut, Torturen, Gewalt? Von Schmerz und Tränen einer trostlosen Mutter? Mit welchen Worten denn bloß? Sein Kinderleben sollte hell und unbelastet bleiben. Ende, Abschied,Trauer, das kam noch früh genug. Alles begann doch gerade erst für ihn!
Ratlos schwankte sie hin und her. Mit einer fahrigen Geste strich sie sich die Haare aus dem Gesicht. Himmel hilf, dachte sie, ich hab&#8217; keine Ahnung.
&#8220;Die Frau hält den toten Mann, damit es ihm gut geht, bis er in den Himmel kommt.&#8221; Die Worte klangen völlig verdreht in ihren Ohren. Ihr wurde ganz heiß vor Scham über ihr Rumgeeiere.
&#8220;Ah, seine Mama!&#8221; rief Lukas, drehte sich um, rannte durch die Tür ins Freie.
&#8220;Warte!&#8221;, rief Alma, als sie sah, dass er auf eine Schubkarre zusteuerte, die neben einem Sandhaufen abgestellt war. Schon zog er eine  Maurerkelle unter den Werkzeugen hervor und winkte Alma mit ihr zu: &#8220;Was machen die Bauarbeiter damit?&#8221;

				
				
					
					
					
					
				
					 
				
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		<item>
		<title>Hochparterre Mitte &#8211; Der Mitte-Blog</title>
		<link>http://www.kultradio.eu/2009/06/25/hochparterre-mitte-der-mitte-blog-24/?utm_source=rss&#038;utm_medium=rss&#038;utm_campaign=hochparterre-mitte-der-mitte-blog-24</link>
		<comments>http://www.kultradio.eu/2009/06/25/hochparterre-mitte-der-mitte-blog-24/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 25 Jun 2009 13:05:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kult Ron</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Audios]]></category>
		<category><![CDATA[Hochparterre Mitte]]></category>
		<category><![CDATA[Weblogs]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.kultur-im-kiez.de/wordpress/?p=3278</guid>
		<description><![CDATA[Alma sieht einen Film von Karin Kaiser Sie hatte sich was getraut. Am Samstagabend, zur Zeit der Paare. Allein! Verborgen hinter ihrer Sonnenbrille, den Mantelkragen hochgeschlagen, hatte Alma sich vorgestellt ihr Alleinsein zu kaschieren, wenn sie an der Kinokasse ein Ticket kaufen würde für den Film &#8220;Zusammen ist man weniger allein&#8221;. Der endete sicher damit, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Alma sieht einen Film</strong><br />
von Karin Kaiser</p>
<p>Sie hatte sich was getraut. Am Samstagabend, zur Zeit der Paare. Allein!</p>
<p>Verborgen hinter ihrer Sonnenbrille, den Mantelkragen hochgeschlagen, hatte Alma sich vorgestellt ihr Alleinsein zu kaschieren, wenn sie an der Kinokasse ein Ticket kaufen würde für den Film &#8220;Zusammen ist man weniger allein&#8221;.<br />
Der endete sicher damit, dass zwei total einsame Menschen sich fänden.<br />
Alma schüttelte sich&#8230;<span id="more-3278"></span></p>
<p>Na schön. Dann würde sie sich noch einsamer fühlen. Sie brauchte das. Heilte nicht Gleiches Gleiches?<br />
Auge in Auge wollte sie dem Monster Einsamkeit gegenüberstehen.</p>
<p>Unterwegs rumorte Groll gegen Paare in ihr, die sich Händchen haltend über die ganze Breite des Bürgersteigs ausdehnten. Paare! Wie die sie anödeten! Sie hätte die Wände vollschreien können vor Wut.</p>
<p>Im Dunkel des Saals, Ellbogenkontakt zum Nachbarn links und rechts, spürte Alma: Im Kino ist man wirklich weniger alleine.<br />
Das Paar auf der Leinwand &#8230; Diese Sätze! Sie hielt den Atem an.<br />
Er: „Warum kannst du nicht einmal sagen &#8216;Frank ich möchte, dass du hier bleibst&#8217;?“<br />
Sie: „Ich habe Angst. Vor dir. Vor mir. Vor uns beiden.“</p>
<p>Alma wand sich. Das letzte Gespräch mit Mark vor der Trennung, ein dumpfer Schmerz hinterm Brustbein. Er weigerte sich Parkplatz zu sein für ihre Unsicherheit. Kein Therapeut für ihre Neurosen.</p>
<p>Sie umklammerte ihre Knie, sie wollte nicht aufspringen und rufen: „Hör auf, um dich selbst zu kreiseln! Entscheide dich doch endlich für die Liebe, für das Leben, für ihn!“<br />
Er steht auf, geht.<br />
Aus.</p>
<p>Auf dem Heimweg, allein durch die Nacht, lächelte Alma. Die beiden hatten doch noch zueinander gefunden. Wie tröstlich, dachte sie, so viel falsch gelaufen und doch angekommen.</p>
<p>„Wenn die das können, kann ich das auch?“, schickte Alma ihre Frage in den Himmel.<br />
„Klar“, morsten die Sterne zurück, „entscheide dich!“<br />
„Mach ich!&#8221;, rief sie der anfahrenden Straßenbahn hinterher, versprach es für die Zukunft.<br />
Beim Öffnen des Haustors wandte Alma sich noch einmal um.<br />
„Danke,“ nickte sie der Einsamkeit zu. „Bis bald!“</p>
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		<itunes:subtitle>Alma sieht einen Film
von Karin Kaiser
Sie hatte sich was getraut. Am Samstagabend, zur Zeit der Paare. Allein!
Verborgen hinter ihrer Sonnenbrille, den Mantelkragen hochgeschlagen, hatte Alma sich vorgestellt ihr Alleinsein zu kaschieren, wenn sie [...]</itunes:subtitle>
		<itunes:summary>Alma sieht einen Film
von Karin Kaiser
Sie hatte sich was getraut. Am Samstagabend, zur Zeit der Paare. Allein!
Verborgen hinter ihrer Sonnenbrille, den Mantelkragen hochgeschlagen, hatte Alma sich vorgestellt ihr Alleinsein zu kaschieren, wenn sie an der Kinokasse ein Ticket kaufen würde für den Film &#8220;Zusammen ist man weniger allein&#8221;.
Der endete sicher damit, dass zwei total einsame Menschen sich fänden.
Alma schüttelte sich&#8230;
Na schön. Dann würde sie sich noch einsamer fühlen. Sie brauchte das. Heilte nicht Gleiches Gleiches?
Auge in Auge wollte sie dem Monster Einsamkeit gegenüberstehen.
Unterwegs rumorte Groll gegen Paare in ihr, die sich Händchen haltend über die ganze Breite des Bürgersteigs ausdehnten. Paare! Wie die sie anödeten! Sie hätte die Wände vollschreien können vor Wut.
Im Dunkel des Saals, Ellbogenkontakt zum Nachbarn links und rechts, spürte Alma: Im Kino ist man wirklich weniger alleine.
Das Paar auf der Leinwand &#8230; Diese Sätze! Sie hielt den Atem an.
Er: „Warum kannst du nicht einmal sagen &#8216;Frank ich möchte, dass du hier bleibst&#8217;?“
Sie: „Ich habe Angst. Vor dir. Vor mir. Vor uns beiden.“
Alma wand sich. Das letzte Gespräch mit Mark vor der Trennung, ein dumpfer Schmerz hinterm Brustbein. Er weigerte sich Parkplatz zu sein für ihre Unsicherheit. Kein Therapeut für ihre Neurosen.
Sie umklammerte ihre Knie, sie wollte nicht aufspringen und rufen: „Hör auf, um dich selbst zu kreiseln! Entscheide dich doch endlich für die Liebe, für das Leben, für ihn!“
Er steht auf, geht.
Aus.
Auf dem Heimweg, allein durch die Nacht, lächelte Alma. Die beiden hatten doch noch zueinander gefunden. Wie tröstlich, dachte sie, so viel falsch gelaufen und doch angekommen.
„Wenn die das können, kann ich das auch?“, schickte Alma ihre Frage in den Himmel.
„Klar“, morsten die Sterne zurück, „entscheide dich!“
„Mach ich!&#8221;, rief sie der anfahrenden Straßenbahn hinterher, versprach es für die Zukunft.
Beim Öffnen des Haustors wandte Alma sich noch einmal um.
„Danke,“ nickte sie der Einsamkeit zu. „Bis bald!“

				
				
					
					
					
					
				
					 
				
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