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19. Feb. 2010

Die schwarze Göttin

In Indien
live gebloggt von Karin Kaiser

Ich zucke zurück.
Wie konnte ich es nur vergessen! Aus dem Hahn mit dem blauen Punkt strömt kochend heißes Wasser. Das Türschloss schließt nach links, die Hähne, mal so oder so.
Wo PEPPER drauf steht ist Salz drin, im Salzstreuer ist gar nix.
“One minute” kann drei Stunden dauern und “No problem!” ist garantiert immer eins.
Bestelle ich Tee, kommt schwarzer Kaffee, bestehe ich weiter auf Tee, kriege ich Milch.
Mehrmals täglich findet ein Power Cut statt, im Dustern spielt es dann keine Rolle mehr, dass die meisten Buchstaben auf meiner Tastatur abgerubbelt sind.
Im Verkehrsgewühl werden aus zwei Fahrspuren fix dreieinhalb oder vier gemacht, denn: “Ich hupe, also bin ich.”
Und täglich trainiere ich Hindernislauf zwischen Müllhaufen und der an vielen Stellen offenen Drainage entlang der Hauptstraße.

Wie kriege all dies bloß in meinen deutschen Schädel?
Tatsächlich – gar nicht.
Keine Chance. Zero!

Was mir bleibt ist: Schultern zucken – that’s India – sie locker zu schütteln, mit dem Kopf zu wackeln, die Arme baumeln zu lassen und die Füße im Kuhgang voreinander zu stellen.

Damit finde ich zurück, bin wieder da, eingetaucht in den verrückten Fluss des indischen Alltags. Wenn sich dann ein Schmunzeln in meine Mundwinkel stiehlt, erhalte ich als Antwort augenblicklich ein Lächeln – strahlend im dunklem Gesicht.

Jetzt fühle ich wieder die Geschenke, die ich täglich erhalte: Sternenwirbel auf samtigem Schwarz; der Mond, der sich als zierliche Sichel auf dem Rundrücken wiegt; der Abendhimmel, azurblau, durchwoben von Rosenstreifen; das Rasseln der Palmblätter, gestreichelt von einer warmen Brise; der Duft, der grünerdig bei Sonnenaufgang vom Land zum Meer treibt; meine Füße, fest verankert, Sand körnig zwischen den Zehen und unter der weißen Sonne, mein Kopf federleicht. Der Klang der Trommeln, der beim Tempelfest der schwarzen Göttin tief in meine Knochen dringt, mich einschließt inmitten der wogenden Menge.

Geschenke mit allen Sinnen aufgenommen – unvergesslich.

1 Kommentar »

  1. Kaaren schreibt:

    Du bringst mich zum Tränen lachen! Und zu lachenden Tränen.

    28. Apr. 2010 | #

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