
Up, up and away
live aus Indien berichtet Karin Kaiser
“Bruxelles Airlines dankt, dass Sie mit uns geflogen sind. Wir würden uns freuen, Sie bald wieder an Bord tiefkühlen zu dürfen…”
Zähneklappernd stelle ich fest: Der Weg nach Indien führt durch die Arktis. Jet Airlines übernimmt nahtlos unsere Schockfrostung. Trotz meiner Bitten arbeitet der AC entsprechend dem subtropischen Ziel weiter auf Hochtouren.
10 000 Fuß hoch über Bombay reagiert mein körpereigener Thermostat, regelt mein System hoch, so dass ich bei der Ankunft die 40 Grad Unterschied zu Berlin spielend überwinde. Fieberglühend lasse ich mich zum Willkommen in Madras von der dieselabgaserfüllten, jasminduftenden Nacht umfangen.
Warme Regentropfen oder Freudentränen rinnen über meine Wangen.
Im Ambassadortaxi sanft gewiegt, unterwegs nach Mamallapuram presse ich die Hände fest gegen den plastikbezogenen Sitz. Bin ich wirklich angekommen? Wirklich da?
Die Stirn ans halb geöffnete Fenster gelehnt lausche ich dem Fahrer und dem Freund, den rollenden, singenden Lauten.
Draußen ziehen mit blinkenden Lichtern geschmückte Palmen vorbei, Häuserzeilen in unklarem Zustand – Abriss oder Aufbau? – ducken sich unter Funzeln. Zwischen rollbahnartigen Positionslichtern lagern Gruppen von Kühen am Straßenrand. Trucks, heulende Dämonen, donnern frontal auf uns zu…
Glücklich schließe ich die Augen: Ja, ich bin wirklich wieder in Indien.





